
Pflegehelfer finden: Warum es anspruchsvoller wird und was jetzt hilft
Pflegehelfer finden ist für viele Einrichtungen der stationären und ambulanten Altenpflege eine der dringlichsten Personalaufgaben. Den Engpassanalysen der Bundesagentur für Arbeit zufolge besteht ein andauernder, erheblicher Fachkräftemangel in Pflegeberufen, der sich auf alle examinierten Pflegekräfte einschließlich der Pflegeassistenz erstreckt. Gleichzeitig richten sich laut derselben Quelle 96 Prozent der gemeldeten Pflegestellen an examinierte Fach- oder Assistenzkräfte – während etwas mehr als die Hälfte der arbeitslosen Pflegekräfte eine Helfertätigkeit ohne Berufsabschluss sucht.
Das zeigt: Angebot und Nachfrage passen strukturell nicht zusammen. Für Sie als Arbeitgeber bedeutet das, dass klassische Stellenanzeigen allein oft nicht reichen. Dieser Ratgeber erklärt, wen Sie suchen, welche gesetzlichen Neuerungen Ihre Personalplanung berühren, und welche Maßnahmen Sie bei der Suche nach Pflegehelfern konkret einsetzen können.
Inhaltsverzeichnis- Aufgabenprofil und Qualifikation eines Pflegehelfers
- Pflegefachassistenzgesetz: Was Arbeitgeber wissen müssen
- Marktlage: Warum Pflegehelfer so schwer zu finden sind
- Die Stellenanzeige gezielt gestalten
- Recruiting-Kanäle für Pflegehelfer
- Pflegehelfer langfristig binden
- Häufige Fragen
- Fazit
Aufgabenprofil und Qualifikation eines Pflegehelfers
Bevor Sie eine Stelle ausschreiben, lohnt es sich, das Aufgabenprofil klar zu definieren – und intern zu klären, welche Qualifikationsstufe Sie tatsächlich benötigen. Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt folgende typische Aufgaben eines Pflegehelfers:
- Blutdruck, Atmung und Puls kontrollieren
- Bei der Versorgung und Pflege begleiten und mithelfen
- Bei der Nahrungsaufnahme helfen
- Patienten einbetten
- Untersuchungen und Behandlungen kontrollieren
- Medizinische Instrumente reinigen
- Krankenzimmer aufräumen
- Bei der Pflegedokumentation und Arbeitsorganisation helfen
- Einfache ärztliche Verordnungen durchführen
Das Aufgabenspektrum ist also durchaus anspruchsvoll und umfasst sowohl pflegerische Grundversorgung als auch administrative Unterstützung. Pflegehelfer arbeiten eng mit examinierten Pflegefachkräften zusammen und entlasten diese von Tätigkeiten, die keine dreijährige Fachausbildung erfordern.
Laut der Bundesagentur für Arbeit dauert die Ausbildung zum Pflegefachhelfer 1 bis 2 Jahre; als Voraussetzung wird dort ein neunjähriger Hauptschulabschluss genannt. Als Orientierung für Ihre Gehaltsplanung weist dieselbe Quelle einen durchschnittlichen Monatsverdienst von rund 3.116 Euro brutto aus – je nach Träger, Tarifbindung und Region kann dieser Wert abweichen.
Pflegefachassistenzgesetz: Was Arbeitgeber wissen müssen
Für Ihre mittelfristige Personalplanung ist der Kabinettsbeschluss vom 4. September 2024 zum Pflegefachassistenzgesetz relevant. Laut Bundesgesundheitsministerium sollen damit 27 verschiedene, landesrechtlich geregelte Pflegehilfe- und Pflegeassistenzausbildungen durch eine bundeseinheitliche 18-monatige Ausbildung abgelöst werden.
Für Sie als Arbeitgeber sind dabei vor allem zwei Punkte relevant:
- Vereinheitlichung der Qualifikation: Wenn der Gesetzentwurf in Kraft tritt, könnten Sie Bewerberinnen und Bewerber mit Pflegefachassistenz-Abschluss künftig besser einordnen, weil ein bundesweit einheitlicher Standard gelten würde. Der bisherige Flickenteppich unterschiedlicher Landesregelungen würde entfallen.
- Einsatzbereiche: Der Entwurf sieht Pflichteinsätze in drei Versorgungsbereichen vor: stationäre Langzeitpflege, ambulante Langzeitpflege und stationäre Akutpflege. Absolventen wären damit breiter aufgestellt als unter vielen bisherigen Landesregelungen.
Zudem soll der Entwurf laut Bundesgesundheitsministerium die Anerkennung ausländischer Pflegekräfte vereinfachen – ein Aspekt, der für Einrichtungen mit internationaler Rekrutierungsstrategie langfristig relevant sein kann.
Vorschlag für Ihre Planung: Verfolgen Sie das Gesetzgebungsverfahren und prüfen Sie rechtzeitig, ob Sie sich als Ausbildungsbetrieb für eine bundeseinheitliche Pflegefachassistenzausbildung qualifizieren möchten. Wer frühzeitig ausbildet, schafft eine eigene Nachwuchspipeline und ist weniger abhängig vom ohnehin engen externen Bewerbermarkt.
Marktlage: Warum Pflegehelfer so schwer zu finden sind
Die strukturelle Situation auf dem Pflegearbeitsmarkt ist für Arbeitgeber herausfordernd. Laut der Statistik der Bundesagentur für Arbeit richten sich 96 Prozent der gemeldeten Pflegestellen an examinierte Fach- oder Assistenzkräfte, während etwas mehr als die Hälfte der arbeitslosen Pflegekräfte eine Helfertätigkeit ohne Berufsabschluss sucht.
Das erzeugt eine paradoxe Lage: Auf der einen Seite gibt es Menschen, die als Pflegehelfer arbeiten möchten, auf der anderen Seite werden überwiegend höher qualifizierte Kräfte ausgeschrieben. Wer als Arbeitgeber gezielt Pflegehelfer-Stellen ausschreibt und diese auch für Quer- und Wiedereinsteiger öffnet, spricht eine Bewerbergruppe an, die in vielen Stellenpools unterrepräsentiert ist.
Auf MitPflege sind aktuell über 3.200 Pflegehelfer-Stellen und insgesamt mehr als 33.000 Pflegestellen von über 6.400 Arbeitgebern vertreten – darunter große Träger wie Alloheim Senioren-Residenzen SE, Korian Deutschland GmbH, das Bayerische Rote Kreuz, die Caritas gGmbH St. Heinrich und Kunigunde sowie Stiftung Bethel. Der Wettbewerb um geeignete Kandidaten ist also real und breit aufgestellt.
Die Stellenanzeige gezielt gestalten
Eine gut formulierte Stellenanzeige ist der erste Filter in Ihrem Recruiting-Prozess. Für Pflegehelfer-Stellen gelten einige besondere Überlegungen:
Vorschlag: Qualifikationsanforderungen realistisch formulieren. Da die Bewerbergruppe für Helferstellen breiter ist als für Fachkraftstellen, lohnt es sich, in der Anzeige klar zu benennen, ob ein Pflegefachhelfer-Abschluss zwingend erforderlich ist oder ob auch Berufseinsteiger mit kurzen Einarbeitungsprogrammen willkommen sind. Eine mögliche Formulierung: „Pflegefachhelfer-Ausbildung erwünscht, aber nicht Voraussetzung – wir arbeiten Sie gerne ein." Das öffnet den Bewerberkreis, ohne die Anforderungen zu verwässern.
Aufgaben konkret benennen: Nutzen Sie das bekannte Aufgabenprofil (Vitalzeichen kontrollieren, bei der Grundpflege assistieren, Dokumentation unterstützen) als Orientierung und beschreiben Sie, welche dieser Tätigkeiten in Ihrer Einrichtung im Vordergrund stehen. Das schafft Transparenz und hilft Interessierten, sich selbst einzuschätzen.
Mögliche Einstiegsfragen zur Selbstprüfung Ihrer Anzeige:
- Ist auf den ersten Blick erkennbar, in welchem Versorgungsbereich (ambulant, stationär, Akut) die Stelle angesiedelt ist?
- Werden Schichtmodelle und Wochenstunden klar benannt?
- Gibt es einen Hinweis auf Entwicklungsmöglichkeiten, z. B. Weiterqualifizierung zur Pflegefachassistenz?
- Ist eine direkte Ansprechperson mit Kontaktdaten genannt?
- Wirkt die Anforderungsliste realistisch und einladend – oder eher abschreckend lang?
Pflegehelfer-Anzeigen profitieren besonders von einer direkten, unkomplizierten Sprache. Wer die Einstiegshürde in der Anzeige klar benennt, ermöglicht es Bewerberinnen und Bewerbern, selbst einzuschätzen, ob sie passen – das spart Ihnen und ihnen Zeit.
Recruiting-Kanäle für Pflegehelfer
Die Wahl der richtigen Kanäle entscheidet darüber, ob Ihre Stelle die passende Zielgruppe erreicht. Einige Überlegungen für Ihre Kanalstrategie:
- Branchenspezifische Jobportale: Portale, die auf Pflege spezialisiert sind, bündeln eine Zielgruppe, die sich aktiv mit Pflegeberufen befasst. Stellenangebote auf MitPflege ansehen – auf der Plattform sind Pflegehelfer-Stellen unter den insgesamt über 33.000 gelisteten Stellen direkt auffindbar.
- Bundesagentur für Arbeit / JOBBÖRSE: Die öffentliche Jobbörse erreicht Menschen, die aktiv eine neue Stelle suchen – darunter auch Pflegekräfte auf Helferebene. Die BA-Statistik belegt, dass etwas mehr als die Hälfte der arbeitslosen Pflegekräfte gezielt Helfertätigkeiten sucht.
- Ausbildungspartnerschaften: Kooperationen mit Berufsschulen und Bildungsträgern, die Pflegefachhelfer ausbilden, ermöglichen eine frühzeitige Ansprache von Absolventen.
- Mitarbeiterempfehlungen: Eigene Pflegehelferkräfte kennen oft Kolleginnen und Kollegen, die einen Jobwechsel erwägen. Ein strukturiertes Empfehlungsprogramm kann diesen Kanal aktivieren.
- Internationale Rekrutierung: Der Kabinettsentwurf zum Pflegefachassistenzgesetz sieht vor, die Anerkennung ausländischer Pflegekräfte zu vereinfachen. Wenn Sie diesen Weg gehen möchten, sollten Sie frühzeitig klären, welche Anerkennungsverfahren für Ihren Zielmarkt aktuell gelten.
Vorschlag: Kombinieren Sie mindestens zwei bis drei Kanäle und halten Sie fest, über welchen Kanal die meisten geeigneten Bewerbungen eingehen. So können Sie Ihr Budget und Ihren Aufwand schrittweise optimieren.
Pflegehelfer langfristig binden
Pflegehelfer zu finden ist die eine Aufgabe – sie zu halten, die andere. Folgende Aspekte können Sie als Arbeitgeber gezielt gestalten:
- Weiterqualifizierung ermöglichen: Wer Pflegehelfern aktiv anbietet, sich zur Pflegefachassistenz weiterzubilden, schafft eine Perspektive und bindet Mitarbeitende ans Haus. Mit dem laufenden Gesetzgebungsverfahren zum Pflegefachassistenzgesetz könnte dafür künftig ein bundesweit einheitlicher Rahmen entstehen.
- Einarbeitung strukturieren: Gerade Quer- und Wiedereinsteiger profitieren in den ersten Wochen von klar benannten Ansprechpersonen und abgestimmten Einarbeitungsplänen. Das ist ein Vorschlag, der sich in vielen Branchen bewährt hat – überprüfen Sie, ob er zu Ihrer Einrichtungsstruktur passt.
- Wertschätzung im Alltag sichtbar machen: Pflegehelfer übernehmen unverzichtbare Aufgaben in der Grundversorgung. Eine Unternehmenskultur, die das anerkennt – etwa durch regelmäßige Rückmeldungen und Einbindung in Teambesprechungen – kann als Bindungsfaktor wirken.
- Dienstplanung transparent gestalten: Verlässliche Dienstpläne und eine offene Kommunikation bei kurzfristigen Änderungen sind Aspekte, die Mitarbeitende in der Pflege erfahrungsgemäß besonders beschäftigen. Wie Sie das in Ihrer Einrichtung konkret umsetzen, hängt von Größe und Struktur ab.
Fragen zur Selbstreflexion für Ihre Einrichtung:
- Wie lange bleiben Pflegehelfer im Durchschnitt in Ihrer Einrichtung?
- Was nennen ausscheidende Mitarbeitende als Hauptgrund für ihren Wechsel?
- Gibt es strukturierte Jahresgespräche, in denen Entwicklungswünsche besprochen werden?
- Wissen Ihre Pflegehelfer, welche Qualifizierungsschritte intern möglich sind?
Häufige Fragen
Was verdient ein Pflegehelfer im Durchschnitt?
Die Bundesagentur für Arbeit weist für Pflegefachhelfer einen durchschnittlichen Monatsverdienst von rund 3.116 Euro brutto aus. Je nach Träger, Tarifvertrag und Region kann das tatsächliche Gehalt in Ihrer Einrichtung davon abweichen; der Wert dient als erste Orientierung für Ihre Gehaltsplanung.
Welche Ausbildung brauchen Pflegehelfer?
Laut Bundesagentur für Arbeit dauert die Ausbildung zum Pflegefachhelfer 1 bis 2 Jahre; dort wird ein neunjähriger Hauptschulabschluss als Voraussetzung genannt. Das Bundeskabinett hat am 4. September 2024 einen Gesetzentwurf beschlossen, der 27 verschiedene Landesregelungen durch eine bundeseinheitliche 18-monatige Pflegefachassistenzausbildung ablösen soll – das Gesetzgebungsverfahren läuft noch.
Warum ist es so schwer, Pflegehelfer zu finden?
96 Prozent der gemeldeten Pflegestellen richten sich laut Bundesagentur für Arbeit an examinierte Fach- oder Assistenzkräfte, während etwas mehr als die Hälfte der arbeitslosen Pflegekräfte eine Helfertätigkeit sucht. Viele Arbeitgeber schreiben damit an der vorhandenen Bewerbergruppe vorbei. Gezielte Stellenanzeigen auf Helferebene und die Nutzung passender Kanäle können diesen Mismatch verringern.
Was könnte das Pflegefachassistenzgesetz für Arbeitgeber bedeuten?
Der Kabinettsentwurf vom 4. September 2024 sieht vor, 27 verschiedene Landesregelungen durch eine bundeseinheitliche 18-monatige Ausbildung abzulösen und die Anerkennung ausländischer Pflegekräfte zu vereinfachen. Sollte das Gesetz in Kraft treten, könnten Qualifikationsstandards künftig bundesweit besser vergleichbar sein – ein Vorteil sowohl bei der inländischen als auch bei der internationalen Personalsuche.
Fazit: Pflegehelfer finden erfordert Strategie und Weitblick
Pflegehelfer finden bleibt eine der zentralen Personalaufgaben in der Pflege. Der strukturelle Mismatch zwischen offenen Stellen und suchenden Arbeitslosen zeigt: Wer gezielt auf Helferebene ausschreibt und die richtige Zielgruppe anspricht, geht einen Weg, den viele Stellenpools noch nicht konsequent beschreiten. Der laufende Gesetzgebungsprozess zum Pflegefachassistenzgesetz kann mittelfristig Qualifikationsstandards vereinheitlichen und die Einordnung von Bewerbern erleichtern – verfolgen Sie das Verfahren und planen Sie rechtzeitig.
Nutzen Sie den bestehenden Bewerbermarkt konsequent: Formulieren Sie Ihre Anforderungen realistisch, setzen Sie auf branchenspezifische Kanäle und investieren Sie in die Bindung vorhandener Kräfte durch klare Entwicklungsperspektiven. Für die Personalsuche in der Pflege: Unterstützung bei der Personalsuche anfragen.


