
Fachkräftemangel bei Pflegehelfern – Lage und Handlungsoptionen für Arbeitgeber
Wer Stellen für Pflegehelfer besetzen will, erlebt den Arbeitsmarkt heute anders als noch vor einigen Jahren. Die öffentliche Debatte konzentriert sich häufig auf examinierte Pflegefachkräfte – doch auch auf der Ebene der Pflegehilfe verändern sich die Beschäftigungsstrukturen grundlegend. Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts und der Bundesagentur für Arbeit zeigen, welche Trends Arbeitgeber kennen sollten und wo konkrete Ansatzpunkte liegen. Dieser Ratgeber richtet sich an Personalverantwortliche, Einrichtungsleitungen und Geschäftsführungen, die offene Pflegehelferstellen gezielt besetzen möchten.
- Beschäftigungstrend: Pflegehelfer im Langzeitvergleich
- Ausländische Pflegekräfte als Wachstumsmotor – Datenstand Juni 2024
- Fachkräfteeinwanderungsgesetz als Rekrutierungsweg
- Teilzeitquote – unterschätztes Potenzial in der eigenen Belegschaft
- Stellenanzeigen gezielt gestalten
- Mitarbeiterbindung: Pflegehelfer langfristig halten
- Häufige Fragen
- Fazit
Beschäftigungstrend: Pflegehelfer im Langzeitvergleich
Ein wichtiger Ausgangspunkt für jede Personalplanung ist das Verständnis der strukturellen Entwicklung auf dem Pflegearbeitsmarkt. Laut einer Pressemitteilung von Destatis setzt sich ein Trend der letzten zehn Jahre fort: Pflegehelferinnen und -helfer verzeichnen höhere Wachstumsraten bei der Beschäftigung als examinierte Pflegekräfte.
Das bedeutet zunächst, dass die Helferebene insgesamt an Bedeutung gewinnt – sowohl für die Versorgungsstruktur als auch für die Personalplanung von Einrichtungen. Gleichzeitig macht dieser Trend deutlich, dass mehr Einrichtungen als früher aktiv um diese Berufsgruppe konkurrieren. Wer als Arbeitgeber auf Pflegehilfskräfte angewiesen ist, sollte seine Rekrutierungsstrategie entsprechend ausrichten und nicht davon ausgehen, dass offene Stellen auf Helferebene sich von allein füllen.
Auf MitPflege sind aktuell über 3.200 Stellen für Pflegehelfer gelistet – ein Bild, das zeigt, wie breit die Nachfrage über verschiedene Einrichtungstypen und Träger hinweg ist.
Ausländische Pflegekräfte als Wachstumsmotor – Datenstand Juni 2024
Ein zentrales Datum für jede Personalstrategie in der Pflege liefert die Bundesagentur für Arbeit in ihrer Pressemitteilung vom 9. Mai 2025: Das Beschäftigungswachstum in der Pflege wurde – bezogen auf den Datenstand Juni 2024 – drei Jahre in Folge ausschließlich von ausländischen Pflegekräften getragen. Ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung in Pflegeberufen lag zu diesem Zeitpunkt bei 18 Prozent. Allein von Juni 2023 bis Juni 2024 wuchs die Zahl der Pflegekräfte mit ausländischer Staatsangehörigkeit um 27.000.
Diese Zahlen belegen, dass internationales Recruiting in der Pflege kein Nischenthema mehr ist, sondern eine strukturell bedeutsame Säule der Personalgewinnung darstellt. Für Arbeitgeber, die bisher kaum internationale Bewerberinnen und Bewerber angesprochen haben, ergibt sich daraus eine konkrete Frage: Welche Voraussetzungen müssten in der eigenen Einrichtung geschaffen werden, um diesen Weg zu öffnen?
Vorschlag: Prüfen Sie, ob Ihre Stellenanzeigen und Onboarding-Materialien mehrsprachig zugänglich sind oder ob eine Ansprechperson für neu zugewanderte Beschäftigte benannt werden kann. Das ist kein bürokratischer Zusatzaufwand, sondern ein konkretes Signal der Offenheit gegenüber einer wachsenden Bewerbergruppe.
Mögliche Formulierungen für Stellenanzeigen, die internationale Bewerberinnen und Bewerber ansprechen sollen:
- „Willkommen sind Bewerberinnen und Bewerber mit internationaler Pflegeerfahrung – wir unterstützen beim Einstieg."
- „Sprachkenntnisse auf B2-Niveau oder höher sind willkommen; wir unterstützen bei der weiteren Sprachförderung."
Fachkräfteeinwanderungsgesetz als Rekrutierungsweg
Für Pflegekräfte aus Nicht-EU-Ländern bietet das Fachkräfteeinwanderungsgesetz einen geregelten Rahmen. Laut Bundesagentur für Arbeit wuchs die Zahl der Pflegebeschäftigten, die über dieses Gesetz eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erhielten, allein 2024 um 13.000.
Dieser Rekrutierungsweg erfordert Vorlaufzeit und eine gewisse organisatorische Vorbereitung auf Arbeitgeberseite. Folgende Fragen können helfen, den eigenen Handlungsbedarf realistisch einzuschätzen:
- Haben Sie Kontakt zu Vermittlungsstellen oder Agenturen, die bei der Anerkennungsberatung unterstützen können?
- Gibt es in Ihrer Einrichtung Personen, die neu ankommende Pflegekräfte bei Behördengängen und beim Einstieg begleiten können?
- Wie lange dauert der Besetzungsprozess bei einer typischen offenen Pflegehelferstelle in Ihrer Einrichtung – und wäre eine Vorlaufzeit von mehreren Monaten für internationale Kandidaten planbar?
- Sind Informationen über die Wohn- und Lebenssituation am Standort verfügbar, die Sie Interessierten aus dem Ausland anbieten könnten?
Wer diese Fragen strukturiert beantwortet, ist besser aufgestellt, um die internationale Rekrutierung als verlässlichen Bestandteil der Personalplanung zu etablieren – auch auf der Ebene der Pflegehilfe.
Teilzeitquote – unterschätztes Potenzial in der eigenen Belegschaft
Bevor neue Rekrutierungswege erschlossen werden, lohnt ein Blick auf das bereits vorhandene Personal. Laut Bundesagentur für Arbeit arbeitete 2024 rund die Hälfte aller Pflegekräfte in Teilzeit – gegenüber etwa einem Drittel bei allen Beschäftigten insgesamt. Besonders auffällig: Auch von den männlichen Pflegekräften arbeitete beinahe jeder Dritte in Teilzeit, während der Teilzeitanteil bei allen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Männern bei lediglich 13 Prozent liegt.
Diese Zahlen beziehen sich auf alle sozialversicherungspflichtig beschäftigten Pflegekräfte und lassen keine direkte Aussage über Pflegehilfskräfte im Speziellen zu. Als Vorschlag lässt sich jedoch formulieren: Es kann sich lohnen, in der eigenen Einrichtung strukturiert zu erheben, ob Teilzeitkräfte – freiwillig und unter geeigneten Bedingungen – bereit wären, ihre Stunden aufzustocken.
Vorschlag: Führen Sie vertrauliche Gespräche mit Teilzeitkräften, um zu verstehen, welche Rahmenbedingungen sie bräuchten, um mehr Stunden zu übernehmen. Das kann Fragen zur Dienstplangestaltung, zu Betreuungspflichten oder zur Pendelzeit umfassen. Solche Gespräche signalisieren Wertschätzung und liefern gleichzeitig nützliche Informationen für die Personalplanung.
Hilfreiche Gesprächsfragen für diesen Kontext:
- „Gibt es Schichtmodelle, die für Sie besser passen würden als das aktuelle?"
- „Was müsste sich ändern, damit eine Aufstockung für Sie interessant wäre?"
- „Haben Sie den Eindruck, dass Ihre Arbeitsbelastung im aktuellen Stundenrahmen gut verteilt ist?"
Stellenanzeigen gezielt gestalten
Eine Stellenanzeige für Pflegehelfer, die sich nicht von anderen unterscheidet, konkurriert mit vielen ähnlichen Angeboten. Einige Formulierungsvorschläge, die Ihre Anzeige unterscheidbar machen können:
- Konkrete Schichtzeiten statt allgemeiner Formulierungen: Statt „flexible Arbeitszeiten" lieber: „Früh- und Spätschicht, keine Nachtdienste" oder „feste Wochenendregelung nach Dienstplan".
- Klare Angabe, wen Sie suchen: Sprechen Sie explizit aus, ob auch Quereinsteiger willkommen sind, ob ein Pflegebasiskurs ausreicht oder ob Berufserfahrung vorausgesetzt wird.
- Tätigkeiten statt Schlagworte: „Sie unterstützen unsere Pflegefachkräfte bei der Grundpflege und begleiten Bewohnerinnen und Bewohner im Alltag" ist konkreter als „teamorientierte Mitarbeit in einem engagierten Pflegeteam".
- Ansprechperson namentlich nennen: Eine direkte Kontaktperson im Anzeigentext senkt die Hürde zur Kontaktaufnahme – ein einfacher, oft vernachlässigter Hinweis.
Wenn Sie Ihre offenen Pflegehelferstellen branchenspezifisch veröffentlichen möchten, können Sie auf MitPflege Recruiting-Unterstützung anfragen oder zunächst einen Blick auf bestehende Stellenangebote werfen, um einen Eindruck vom Markt zu gewinnen.
Mitarbeiterbindung: Pflegehelfer langfristig halten
Angesichts des anhaltenden Beschäftigungstrends auf der Helferebene lohnt es sich, nicht nur in die Gewinnung, sondern auch in die Bindung von Pflegehilfskräften zu investieren. Folgende Fragen können helfen, den Status quo in Ihrer Einrichtung zu reflektieren:
- Wie hoch ist die Fluktuation bei Ihren Pflegehelfern in den ersten zwölf Monaten – und kennen Sie die häufigsten Abgangsgründe?
- Haben Pflegehilfskräfte in Ihrer Einrichtung eine klare Perspektive, etwa durch Weiterqualifizierungsangebote in Richtung Pflegefachkraft?
- Werden Pflegehelfer in Teambesprechungen einbezogen, oder erleben sie sich eher als ausführende Ebene ohne Mitsprache?
- Gibt es ein strukturiertes Gespräch nach der Probezeit – nicht als Beurteilung, sondern als echtes Feedbackformat?
Vorschlag: Ein kurzes, vertrauliches Gespräch nach den ersten drei Monaten – mit dem Fokus auf Fragen wie „Was hilft Ihnen, gut anzukommen?" und „Was würden Sie sich anders wünschen?" – kann frühzeitig Unzufriedenheit sichtbar machen. Das ist kein aufwendiges Instrument, aber ein konkretes Signal, dass die Einrichtung an der Person interessiert ist.
Langfristig profitieren Einrichtungen davon, Pflegehilfskräfte nicht als temporäre Ergänzung, sondern als festen Bestandteil des Pflegeteams zu behandeln. Angesichts des Destatis-Trends, der Pflegehelfern überproportionales Beschäftigungswachstum bescheinigt, wird diese Gruppe für die Versorgungsstruktur zunehmend wichtiger.
Häufige Fragen zum Fachkräftemangel bei Pflegehelfern
Welche Daten gibt es zur Beschäftigungsentwicklung bei Pflegehelfern?
Laut Destatis setzt sich ein über zehn Jahre anhaltender Trend fort: Pflegehelferinnen und -helfer verzeichnen höhere Beschäftigungswachstumsraten als examinierte Pflegekräfte. Das macht die Helferebene zu einem strukturell bedeutsamen Teil des Pflegearbeitsmarkts.
Welche Rolle spielen ausländische Pflegekräfte bei der Stellenbesetzung?
Eine sehr bedeutsame. Bezogen auf den Datenstand Juni 2024 wurden laut Bundesagentur für Arbeit drei Jahre in Folge ausschließlich von ausländischen Pflegekräften Beschäftigungszuwächse erzielt; ihr Anteil lag bei 18 Prozent. Von Juni 2023 bis Juni 2024 wuchs ihre Zahl um 27.000. Für Nicht-EU-Bürgerinnen und -Bürger bietet das Fachkräfteeinwanderungsgesetz einen geregelten Weg – Arbeitgeber sollten prüfen, ob ihre Einrichtung dafür geeignete Integrationsstrukturen aufbauen kann.
Kann die hohe Teilzeitquote in der Pflege bei der Stellenbesetzung helfen?
Als Anhaltspunkt lässt sich festhalten: 2024 arbeitete rund die Hälfte aller Pflegekräfte in Teilzeit – deutlich mehr als im Gesamtdurchschnitt aller Beschäftigten. Es ist ein Vorschlag, keine gesicherte Wirkung: Vertrauliche Gespräche über Aufstockungswünsche können helfen zu verstehen, ob vorhandenes Belegschaftspotenzial unter anderen Rahmenbedingungen aktiviert werden könnte.
Wie kann MitPflege Arbeitgeber bei der Besetzung von Pflegehelferstellen unterstützen?
MitPflege ist eine auf die Pflegebranche spezialisierte Plattform. Arbeitgeber können Recruiting-Unterstützung anfragen oder zunächst bestehende Stellenangebote ansehen, um einen Überblick über den Markt zu gewinnen.
Fazit
Der Arbeitsmarkt für Pflegehelfer ist in Bewegung: Laut Destatis wächst diese Berufsgruppe über zehn Jahre hinweg überproportional – und laut Bundesagentur für Arbeit kommt das Beschäftigungswachstum in der Pflege bezogen auf den Datenstand Juni 2024 ausschließlich aus dem Ausland. Gleichzeitig arbeitet rund die Hälfte aller Pflegekräfte in Teilzeit. Für Arbeitgeber ergeben sich daraus drei konkrete Ansatzpunkte: internationales Recruiting strukturell vorbereiten, Teilzeitpotenzial in der eigenen Belegschaft sondieren und Stellenanzeigen so gestalten, dass sie die richtigen Bewerberinnen und Bewerber direkt ansprechen.
Personal gewinnen und offene Stellen besetzen: Unterstützung bei der Personalsuche anfragen.


